Den haut so leicht nichts um - Wie Resilienz beim Kind gestärkt werden kann

Es gibt Kinder, die einem Streit oder anderen belastenden Ereignissen hilflos gegenüberstehen. Andere kommen damit gut zurecht. Woran liegt das?

Emil haut nichts so leicht um, finden seine Eltern. Er kommt gut mit Niederlagen und Rückschlägen zurecht. „Wir haben den Eindruck, er ist in gewisser Weise gut abgehärtet, allerdings erzählt er uns auch immer von seinen Nöten und Kummer“, sagt seine Mutter. Psychologen bezeichnen Kinder wie Emil als resilient.

Resilienz ist das Immunsystem der Seele

Genau wie der Körper Viren und Bakterien abwehren kann, ist eine resiliente Seele in der Lage, mit Misserfolgen, Notsituationen oder Unglücksfällen angemessen umzugehen. Wer kritische Erfahrungen meistern kann, ohne Schaden zu nehmen, verfügt über eine starke psychische Widerstandsfähigkeit – Resilienz genannt.

In zahlreichen Studien fanden Wissenschaftler heraus, dass resiliente Kinder über individuelle Schutzfaktoren verfügen, die seelische Stabilität begünstigen. Diese zu kennen ist von großer Bedeutung, denn sie zeigen, wie die Seele eines Kindes gestärkt werden kann.

Stabilität: ohne Struktur nicht möglich

Besonders wichtig ist eine stabile emotionale Bindung zu mindestens einem Elternteil und ein feinfühliger Erziehungsstil, der dem Kind Freiräume gewährt, aber auch berechenbare und altersgemäße Grenzen setzt. Auch das soziale Umfeld ist von großer Bedeutung. Ob Verwandter, Nachbar oder Freund – das Kind macht die Erfahrung, dass es anderen nicht gleichgültig ist. Dieses Wissen um einen sicheren Zufluchtsort schafft Mut und Selbstbewusstsein und stärkt die Resilienz.

Es gibt immer eine Lösung

„Wenn sich Emil benachteiligt fühlt, dann sagt er das. Manchmal dauert es zwar ein bisschen länger, aber schlussendlich rückt er immer damit heraus“, sagt sein Vater. Konfliktbereitschaft, Mut und ein positives Weltbild gehören neben Fantasie und Neugierde zu einer Vielzahl weiterer protektiver Faktoren. Während nicht resiliente Kinder dazu neigen, sich in einer kritischen Situation passiv oder ausweichend zu verhalten, handeln resiliente Kinder aktiv und bemühen sich um Lösungen.

Psychologen sprechen hier von Selbstwirksamkeits- und Kontrollüberzeugung. Die Kinder wissen, dass sie Einfluss nehmen und verändernd eingreifen können. Dazu gehört auch, Verantwortung zu übernehmen. Wenn Kinder zum Zusammenleben etwas beitragen können, macht sie das stolz und glücklich. Sie freuen sich, wenn ihnen etwas zugetraut wird. Viele Erziehungsratgeber helfen, die Resilienz von Kindern zu fördern – in besonderen Fällen kann auch ein Kinderpsychologe unterstützen.

Lob statt Kontrolle heißt die Devise

Fehler machen dürfen und daraus lernen ist ein großer Meilenstein auf dem Weg zur Resilienz. Es ist essenziell, Kindern zuzutrauen, dass sie ein eigenes Interesse am Lernen haben, und dies zu unterstützen. Emil beispielsweise hat sich in der Schule durch seine Tierliebe ein eigenes Wissensgebiet erarbeitet. „Als wir merkten, wie wichtig Emil das ist, haben wir ihm zum Geburtstag ein Buch über Hunde geschenkt“, sagt seine Mutter. „Den richtigen Umgang hingegen hat ihm sein Hund selbst beigebracht. Der hat sich nämlich tüchtig gewehrt, wenn er ihn zu fest oder gegen den Strich gebürstet hat“.