Die Bauchspeicheldrüse - Klein, aber oho!

Nur 10 bis 15 Zentimeter ist sie lang und 50 bis 100 Gramm leicht – die Bauchspeicheldrüse. Ihr Aufgabenfeld hingegen ist groß: Sie produziert Stoffwechselhormone, die den Blutzucker regulieren und stellt Verdauungssäfte für den Darm her.

Die Bauchspeicheldrüse, die sogenannte Pankreas, besteht aus Pankreaskopf, -körper und -schwanz. Täglich gibt sie etwa 1,5 Liter Sekret an den Zwölffingerdarm ab. Die darin enthaltenen Enzyme zerlegen die Nahrungsbestandteile des Speisebreis in ihre jeweils kleinsten Bauteile: Fette, Kohlenhydrate und Eiweiße. Diese gelangen über die Darmschleimhaut ins Blut.

Bauchspeicheldrüsenentzündung

Ursache meist Gallensteine oder Alkoholmissbrauch Schmerzt die Bauchspeicheldrüse, so steckt häufig eine Gallenerkrankung, in der Fachsprache Pankreatitis genannt, dahinter. Jedes Jahr sind allein etwa 20 bis 30 Prozent aller Deutschen davon betroffen. Ursache sind zumeist Gallensteine. Gallengang und Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse münden an der gleichen Stelle in den Zwölffingerdarm. Blockieren Gallensteine den Gallengang, kann der Verdauungssaft aus der Bauchspeicheldrüse nicht mehr abfließen. Staut sich dieser zurück, können die Enzyme das Pankreasgewebe angreifen und so eine Entzündung verursachen.

Starke Schmerzen im Oberbauch sind zumeist die Folge, hinzu können Erbrechen, Übelkeit und Fieber kommen. Bei einer akuten Pankreatitis kann eine Behandlung im Krankenhaus nötig sein. Mittels Ultraschall und häufig auch Computertomographie wird der Bauch untersucht. Sind Gallensteine der Auslöser, muss in den meisten Fällen operiert werden. Bei etwa 30 bis 40 Prozent der akuten Fälle kann auch Alkoholmissbrauch der Auslöser für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung sein. Allerdings führt übermäßiger Alkoholkonsum nicht zwangsläufig zu einer Pankreatitis. Die Wissenschaft hat bisher noch nicht herausfinden können, warum Alkohol bei manchen eine Leberzirrhose und bei anderen eine solche Entzündung verursachen kann. Wer seiner Bauchspeicheldrüse etwas Gutes tun möchte, sollte daher auf größere Mengen Alkohol verzichten. Auch fette und schwer verdauliche Nahrungsmittel sollten gemieden werden.

Chronische Pankreatitis - Medikamente können Verdauungsenzyme ersetzen

Im Gegensatz zur akuten Pankreatitis, die schnell diagnostiziert und behandelt werden kann, sind die Beschwerden bei der chronischen Ausprägung häufig weniger eindeutig. Zwar können Schmerzen dauerhaft auftreten, sind in der Regel aber mal stärker, mal schwächer. Auch lässt sich die chronische Entzündung meist nicht vollständig heilen. Gegen die Schmerzen werden gewöhnlich Schmerzmittel eingesetzt. Arbeitet die Bauchspeicheldrüse nicht mehr richtig, können Medikamente die Verdauungsenzyme ersetzen. Es ist sogar möglich, ohne Pankreas zu leben, z.B. wenn sie aufgrund einer Krebserkrankung entfernt werden musste.

Bauchspeicheldrüsenkrebs - Krebserkrankung mit der niedrigsten Überlebensrate

Laut Robert Koch Institut ist Bauchspeicheldrüsenkrebs die vierthäufigste Krebstodesursache und die Krebserkrankung mit der niedrigsten Überlebensrate. Das kann u.a. auch daran liegen, dass es keine Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen gibt, wie z. B. beim Darmkrebs. Ein erhöhtes Risiko, an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken, haben vor allem Menschen, die übermäßig viel Alkohol konsumieren. Ein noch höheres haben Raucher: Der Bundesverband deutscher Internisten warnt, dass Raucher dreimal so oft an diesem Krebs erkranken wie Nichtraucher.

Diabetes Melitus - Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse

Eine weitere wichtige Aufgabe der Bauchspeicheldrüse ist die Produktion von Hormonen, insbesondere Insulin und Glukagon. Diese Hormone werden in Zellhaufen gebildet, die wie Inseln ins Bauchspeicheldrüsengewebe eingestreut sind – insgesamt über eine Million. Sie heißen nach ihrem Entdecker auch Langerhans-Inseln. Die Hormone werden von dort aus ins Blut abgegeben. Bei Diabetes mellitus Typ-1 richten sich Antikörper des Immunsystems gegen die Insulin produzierenden Zellen der Langerhans-Inseln und zerstören diese. Die Folge: Die Bauchspeicheldrüse kann kein Insulin mehr herstellen. Betroffene müssen es daher von außen zuführen. Die übrige Funktion der Bauchspeicheldrüse wird dabei nicht in Mitleidenschaft gezogen. Diabetes mellitus Typ-2 ist eine chronische Stoffwechselkrankheit, bei welcher der Zuckerspiegel im Blut erhöht ist. Der Grund dafür ist eine Insulinresistenz, bei der die Körperzellen schlecht auf Insulin ansprechen. Die Bauchspeicheldrüse erhöht infolgedessen die Produktion, kann auf Dauer jedoch überfordert sein und die Produktion einstellen.