Die Kraft aus der Mitte

Muskeln werden trainiert, um die Haltung und ganz allgemein die Lebensqualität zu verbessern – das ist allgemeiner Konsens. Es gibt jedoch Muskeln, die ganz im Geheimen arbeiten und maßgeblich für unsere Gesundheit, Energie und Lebensfreude sind: die Beckenbodenmuskeln.

Die Beckenbodenmuskulatur gehört zu den wichtigsten Muskelgruppen des Körpers. Die handtellergroße, aus drei Schichten bestehende Muskulatur unterstützt die Schließmuskulatur von Harnröhre und After, gibt den Bauch- und Beckenorganen Halt und hält hohem Druck stand: beim Husten und Lachen, beim Stuhlgang und bei körperlicher Belastung, beispielsweise beim Heben schwerer Gegenstände.

Aber sie kann noch mehr. Bewegt man sich bewusst aus dem Beckenboden heraus, verändert sich der Tonus der gesamten Rumpfmuskulatur. Die Schultern werden locker, der Bauch wird flacher, die Innenseiten der Oberschenkel werden gestrafft.

Eine solche Haltung strahlt nicht nur Stärke aus, sie macht zudem psychisch belastbarer, stabiler, gelassener. Und sie gibt uns Energie.

Nicht umsonst nutzen asiatische Bewegungslehren wie Yoga, Qi Gong oder Aikido die Beckenbodenmuskulatur, um den Fluss der Lebensenergie zu verbessern.

Ein guter Grund, die Beckenbodenmuskeln zu trainieren. Insbesondere Frauen sollten dies regelmäßig tun, weil der Östrogenabfall in den Wechseljahren die Beckenbodenmuskeln erschlaffen lässt und Inkontinenz, Blasenvorfall oder eine Gebärmuttersenkung drohen.

Die Übungen können dabei ganz leicht in den Alltag integriert werden. Ob man in der Supermarktschlange steht oder sich die Zähne putzt – einfach die Muskeln immer wieder für ein paar Sekunden anspannen und wieder lösen. Dabei sollte sich das gleiche Gefühl einstellen, als müsste man den Drang einhalten, zur Toilette zu gehen.

Für alle, die anfangen wollen, ihre Beckenbodenmuskulatur zu trainieren – hier eine leichte Übung zum Einstieg:

Legen Sie sich auf den Rücken und ziehen Sie die Beine zum Körper heran. Umfassen Sie die Knie mit den Händen und machen Sie den Rücken rund, indem Sie das Kinn auf die Brust ziehen. Spannen Sie nun die Beckenbodenmuskeln an und halten Sie die Spannung für fünf Sekunden aufrecht. Legen Sie dann den Kopf wieder ab und entspannen Sie die Muskulatur.

Es geht aber noch einfacher – mit Liebeskugeln. Liebeskugeln bzw. Vaginalkonen sind als Doppel- oder auch im Dreierpack erhältlich. Sie sind mit einer Silikonschicht überzogen und mit einem Rückholband versehen. In ihrem hohlen Inneren befindet sich ein Metallkern.

Die Liebeskugeln werden vorsichtig in die Vagina eingeführt. Bewegt man sich, beginnt der Metallkern zu schwingen und regt die Muskulatur zu Kontraktionen an, um die Rotation aufzufangen und die Kugeln im Unterleib festzuhalten. Wie hart die Muskeln arbeiten, merkt man, im Unterschied zu einem normalen Beckenbodentraining, nicht. Allenfalls wird ein leichter Druck verspürt.