Schwimmbad-Krankheiten

In Schwimmbädern und Badeseen gibt es - je nach Wetterlage - verschiedene Möglichkeiten, sich abzukühlen und sich im Wasser zu bewegen - wenn da nicht gleichzeitig auch mögliche Gesundheitsgefährdungen wären.

Um die Ausbreitung von Bakterien und Pilzen im Wasser zu verhindern, wird es in Schwimmbädern mit Chlor versetzt. Dieses bildet im Wasser die sogenannte hypochlorige Säure, die bleicht und desinfiziert. Allerdings reagiert diese Chlorsäure mit dem Harnstoff aus Urin zu Chloraminen. Diese wiederum reizen Augen und Atemwege. Daher gibt es in vielen Schwimmbädern Strafen dafür, ins Wasser zu urinieren.

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Außerdem verbindet sich die Chlorsäure mit Kohlenstoff, der beispielsweise bei der Atmung entsteht, zu sogenannten Trihalogenmethanen. Zu diesen Verbindungen zählt auch Trichlormethan, besser bekannt als Chloroform. Dieses giftige und wahrscheinlich auch krebserregende Gas wurde im 19. Jahrhundert als Narkosemittel verwendet - und spielt auch heute noch eine Rolle in Krimis zur Betäubung des Opfers. Ansonsten wird es als Narkosemittel nicht mehr genutzt, sondern lediglich als Lösungsmittel bei der Herstellung von FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffen).

Der typische Hallenbadgeruch stammt ebenfalls von den Chloraminen, nicht vom Chlor allein. Zur Bildung von Chloraminen trägt jedoch nicht nur der Urin bei, sondern alle Aminosäuren, die der Mensch ins Wasser abgibt. Also auch Hautschuppen, Schweiß, Make-up oder Sonnenmilch.

Die vorschriftmäßige Verwendung von Chlor in Schwimmbädern wird behördlich überwacht. Allerdings kann das Chlor auch die Augen in Mitleidenschaft ziehen. Daher sollte man bei empfindlichen Augen eine Schwimmbrille aufsetzen, die dicht anliegt. So gelangt das Chlor nicht so leicht an die Augen - und auch Schmutz und Keime werden abgehalten.

Sind die Augen nach dem Schwimmbadbesuch gereizt, können auch Chlamydien die Ursache für diese Art der Bindehautentzündung, der Schwimmbad-Konjunktivitis, sein. Chlamydien des Serotyps D-K trotzen der antibakteriellen Wirkung des Chlors.

Problemfall Pilze

Die Erreger von Fuß- und Nagelpilz werden häufig im Umfeld des Schwimmbads ausgemacht. Sie sind nicht im Wasser enthalten, sondern befinden sich besonders in Dusch- und Umkleideräumen. Gelangen die Mikroorganismen auf die Haut, können sie dort eine Weile unbemerkt verbleiben. Ihr Eindringen in den Körper wird durch die aufgeweichte und aufgequollene Struktur der Haut begünstigt.

Fußpilz zeigt sich oft zwischen den Zehen. Juckt es dort, ist die Haut gerötet oder zeigen sich schuppige Stellen, kann dies auf einen Pilz hinweisen. Verursacht wird Fußpilz durch Fadenpilze, sogenannte Dermatophyten, die das Hornmaterial befallen.

Um Fußpilz möglichst zu verhindern, sollte man im Schwimmbad unbedingt Badelatschen tragen. Nach dem Schwimmen die Füße gut abtrocknen - vor allem auch in den Zehenzwischenräumen. Anschließend sollte man sofort Strümpfe und Schuhe anziehen.

Die in vielen öffentlichen Badeanstalten installierten speziellen Fußduschen mit Desinfektionsmitteln sind unter Experten umstritten. Die genutzten Desinfektionsmittel töten die Erreger nicht zuverlässig ab. Zudem wird die Hautbarriere durch die Mittel geschädigt und eine Infektion eher begünstigt.

Problemfall Viren

Ebenfalls in Dusch- und Umkleideräumen können die Viren lauern, die Warzen entstehen lassen. Diese meist scharf begrenzten Auswüchse der Haut, die überwiegend an Händen und Füßen auftreten, werden durch humane Papillomviren ausgelöst. Die Infektion erfolgt per Kontakt- beziehungsweise Schmierinfektion über kleinste Verletzungen der Haut und der Schleimhäute. Vom Zeitpunkt der Ansteckung bis zur Bildung von Warzen können Wochen bis Monate vergehen.

Warzen treten in jedem Alter auf. Obwohl sie grundsätzlich gutartig sind, können sie kosmetisch erheblich stören, manchmal an bestimmten Stellen auch Schmerzen verursachen und sich extrem selten auch bösartig entwickeln.

In Naturteichen können die Larven einer Saugwurmspezies für eine sogenannte Badedermatitis ursächlich sein. Der Mensch dient hierbei als Zwischenwirt für diese Larven, die sich in der Haut einnisten und dort für eine allergische Reaktion sorgen, die sich mit starkem Juckreiz und Rötungen bemerkbar macht.

Da diese Larven sich normalerweise in Schnecken einnisten und es sich demzufolge bei der Besiedelung des Menschen um einen "Irrtum" handelt, sterben sie bereits nach kürzester Zeit wieder ab.

Die Bade-Otitis

Probleme mit den Ohren haben nach dem Schwimmen - zumindest kurzfristig - viele Menschen. Meist ist es lediglich Wasser, das im Gehörgang verblieben ist. Häufig hat sich aber auch ein Ohrenschmalzpfropfen mit Wasser vollgesogen, ist dadurch aufgequollen und verschließt den Gehörgang, so dass man nichts mehr hört.

Wer grundsätzlich viel Ohrenschmalz (Cerumen) produziert, sollte die Gehörgänge regelmäßig vom Fachmann reinigen lassen. Nach dem Bad sollten die Ohrmuscheln äußerlich vorsichtig mit einem sauberen Handtuch getrocknet werden.

Schmerzen und jucken die Ohren nach dem Bad jedoch, kann es sich um eine Bade-Otitis, eine Gehörgangsentzündung, handeln. Zumeist werden diese Entzündungen durch Bakterien hervorgerufen. Dazu zählen beispielsweise Staphylokokken und Pseudomonaden. Letztgenannte kommen in warmem Wasser vor und werden durch Chlor nicht vollständig abgetötet.

Eine Blasenentzündung wird zwar häufig auch als Schwimmbad-Krankheit eingestuft, hat aber zumeist mit einer Unterkühlung des Intimbereichs durch nasse Badekleidung zu tun, durch die dann die Immunabwehr herabgesetzt wird. Wichtig ist, die Badekleidung nach dem Bad gleich zu wechseln und sich gründlich abzutrocknen.

Das hartnäckige Gerücht, Geschlechtskrankheiten würden sich durch den Besuch öffentlicher Badeanstalten verbreiten, ist nur ein Gerücht. Die Erreger von Gonorrhoe (Tripper) und anderer sexuell übertragbarer Krankheiten (inklusive HIV) sind empfindlich und sterben im Wasser ab. Ebenfalls unmöglich sind Schwangerschaften durch einen Schwimmbadbesuch.