Prostatitis – das unbekannte Männerleiden

Wissen Sie, was eine Prostatitis ist? Klar, mit der Prostata hat es zu tun, der Vorsteherdrüse des Mannes. Und die Endung „itis“ weist auf eine Entzündung hin. Obwohl rund 3,5 Millionen Männer in Deutschland darunter leiden, ist die Prostatitis noch relativ unbekannt.


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Das Wort Prostata kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: "die Vorstehende". Deshalb nennt man das Organ im Deutschen auch Vorsteherdrüse. Sie steht ("von unten" gesehen) vor der Blase und umschließt die Harnröhre. "Von hinten" kommend, mündet der Samenleiter in der Mitte der Prostata in die Harnröhre.

Die Prostata hat wichtige Funktionen beim Sex: Das Sekret, das sie produziert, ist der Hauptbestandteil der Samenflüssigkeit, ohne den die Spermien geradezu verhungern würden.

Beim männlichen Höhepunkt verschließt die Prostata den Zugang zur Blase und katapultiert die Samenflüssigkeit durch den Penis. Damit ist sie für die Zeugungsfähigkeit des Mannes unverzichtbar. Die Prostata eines gesunden Mannes ist etwa so groß wie eine Kastanie und wiegt etwa 20 g.

Reden macht die Prostata vor allem dadurch, dass sie ab einem bestimmten Alter anfängt zu wuchern. Im Extremfall kann sie groß wie eine Orange werden und ihr Gewicht verzehnfachen. Dadurch drückt sie nach innen die Harnröhre zusammen – es kommt zu Problemen beim Wasserlassen, zum Tröpfeln oder zu Schmerzen.

Bakteriell oder abakteriell?

Während die meist gutartig vergrößerte Prostata mit dem Alter zusammenhängt, betrifft die Prostatitis vor allem Männer zwischen 20 und 50 Jahren. Häufige Symptome der Prostataentzündung sind Schmerzen im Unterleibs- und Genitalbereich, Druckgefühl im Schritt und Probleme beim Wasserlassen. Möglich sind auch Störungen der Sexualfunktion wie Erektionsschwierigkeiten und Schmerzen beim Samenerguss.

Unterschieden wird aus medizinischer Sicht in die abakterielle und bakterielle Prostatitis. Bei der deutlich häufigeren abakteriellen Prostatitis (ca. 90 Prozent der Erkrankungen) lassen sich keine Bakterien im Urin nachweisen.

Zu den bakteriellen Auslösern einer Prostatitis zählen Darmbakterien wie Escherichia coli oder Enteroccocus faecalis, die in die Harnröhre aufsteigen und die Schleimhaut der Harnröhre sowie die Prostata befallen. Aber auch Chlamydien, Gonokokken oder Trichomonaden sind mögliche Auslöser.

Bakterien lassen sich bei der abakteriellen Variante der Prostatitis nicht nachweisen. Allerdings finden sich häufig weiße Blutkörperchen in der Prostataflüssigkeit und im Sperma. Diese sind ein deutliches Zeichen für eine Entzündung.

Zu den Ursachen der abakteriellen Prostatitis zählen Blasenentleerungsstörungen und der sogenannte prostatische Rückfluss (Reflux). Bei diesem gelangt Urin in die Prostata, wodurch sich Harnsäure und weitere Stoffwechselprodukte aus dem Harn im Gewebe ablagern und dadurch Entzündungen hervorrufen.

Eine bakterielle Prostataentzündung lässt sich mit Antibiotika meist schnell lindern. Im Gegensatz dazu gibt es für eine abakterielle Prostatitis bislang keine Standardtherapie. Neu sind Zäpfchen mit einer Kombination aus Hyaluronsäure und speziellen pflanzlichen Inhaltsstoffen, die eine zielgerichtete Freisetzung der Inhaltsstoffe ohne den Umweg über den Magen-Darm-Trakt ermöglichen. Das die Prostata umgebende Gewebe im Anorektalbereich entspannt und wird beruhigt. Die Wirkstoffkombination führt zu einer deutlichen Reduktion von Druck- und Spannungsschmerz sowie von Blasenentleerungsstörungen.