Einfach mal drüber schlafen

Während wir auf der faulen Haut liegen, macht unser Gehirn Überstunden. Einerseits schafft es im Schlaf Ordnung, andererseits probiert es neue Kombinationen aus. Was dabei Erstaunliches herauskommen kann, erfahren Sie im letzten Teil unserer Serie.

Wenn wir uns abends ins Bett legen, entspannen wir uns mehr und mehr. Atmung und Puls verlangsamen sich, der Blutdruck und die Körpertemperatur sinken. Die Spannung in den Muskeln löst sich. Nur unser Hirn bleibt aktiv. Weil jetzt keine neuen Sinneseindrücke mehr hereinströmen, kann es in Ruhe alle Informationen des Tages sortieren. Dies passiert in der Tiefschlafphase, in der nur die Gehirnregionen aktiv sind, die für Ordnung und Struktur sorgen. Allen voran der Hippocampus – er entscheidet, welche Sinneseindrücke relevant sind und leitet diese an die Großhirnrinde weiter, wo sie in der Traumphase miteinander kombiniert werden.

Schlaf erfüllt also auch in puncto „Gehirnhygiene“ zwei wichtige Funktionen: Die relevantesten Tagesinformationen werden geordnet und Gedankengänge neu kombiniert. Im Schlaf durchlaufen wir verschiedene Phasen, in denen wir unterschiedlich tief schlafen. Zu Beginn des Schlafes wechseln sich etwa drei bis vier Tiefschlafphasen mit leichteren Traumphasen, auch REM-Phasen genannt, ab. „REM“ ist die englische Abkürzung für „Rapid Eye Movement“ und bedeutet zu Deutsch „schnelle Augenbewegungen“ – eines der markanten Merkmale dieser Schlafphase. Während des Schlafes werden die REM-Phasen immer länger. In ihnen ist die Gehirnaktivität wesentlich ungeordneter als in den Tiefschlafphasen, denn die unterschiedlichsten Gedankenmuster werden nun gleichzeitig abgerufen.

Das liegt daran, dass das Großhirn im Traumschlaf freier agieren kann. Während der Hippocampus im Tiefschlaf darauf achtet, dass jedes relevante Gedankenmuster auch tatsächlich von der Großhirnrinde abgespeichert wird, ist diese Verbindung in der REMPhase weniger ausgeprägt. Jetzt kann das Großhirn auch mal nicht zueinanderpassende Gedankenmuster miteinander verknüpfen. Kurz: Im Tiefschlaf wird strukturiert, im Traumschlaf wird kombiniert. Und genau diese „gewagten“ Kombinationen bringen manchmal gute Ideen hervor.

Berühmt ist übrigens der Legende nach der Traum ...

... des Chemikers Friedrich August Kekulé von Stradonitz (1829 – 1896). Er versuchte, Systematik in die organisch-chemische Stoffvielfalt zu bringen, grübelte aber erfolglos über die Form des Benzols, eines wichtigen Grundstoffes. Eines Nachts träumte Kekulé von der Ourobouros-Schlange, die sich selbst in den eigenen Schwanz beißt. Die Lösung war erträumt: Benzol hat eine ringförmige Struktur!