Das e-Rezept

Während es in vielen europäischen Ländern bereits möglich ist, Rezepte digital einzulösen, existieren in der Bundesrepublik bisher nur Modellprojekte. Ende nächsten Jahres könnten aber auch in ganz Deutschland die ersten e-Rezepte versendet werden. Damit soll ein weiterer Schritt in der Digitalisierung des Gesundheitswesens gemacht werden.

Die elektronische Krankenakte, die Messung von Gesundheitsdaten per App, die Video-Sprechstunde: Das sind nur einige Beispiele für digitale Technologien, die das deutsche Gesundheitswesen revolutionieren können. Die Digitalisierung der Medizin soll die schnellere Erkennung und Überwachung von Krankheiten ermöglichen. Ein Baustein dabei ist das elektronische Rezept – das sogenannte e-Rezept. Neben dem herkömmlichen Rezept auf Papier wird die Übermittlung von ärztlichen Verordnungen zukünftig auch in elektronischer Form stattfinden.

Wie könnte das e-Rezept funktionieren?

Mit einem Rezept stellt der Arzt einen individuellen QR-Code an seinem Rechner aus. Dieser wird auf datenschutzsicherem Weg an das Smartphone des Patienten verschickt, das über eine spezielle Patienten-App verfügt. Der Versand kann sowohl während des Praxisbesuches erfolgen oder auch später, etwa wenn ein Folgerezept ausgestellt wird. Die Software stellt dabei sicher, dass ein Rezept nur einmal abgerufen werden kann.

In der Apotheke wird der Code eingescannt und der Patient erhält das Medikament. Er kann das e-Rezept auch schon vorher an seine Wunschapotheke weiterleiten und diese kann das Medikament vorbestellen, bereitlegen oder eine Rezeptur vorbereiten lassen. Die Apotheke übermittelt die Verordnung digital an das Rechenzentrum, von da aus gelangt es weiter zur Krankenkasse. Der Transfer der Verordnungsdaten erfolgt durch eine Datenleitung, „Telematikinfrastruktur“ genannt. Während des gesamten Prozesses behält der Patient die Handlungshoheit. Das heißt, er kann z. B. auch darauf verzichten, das Rezept einzulösen.

Die Vorteile des e-Rezepts

Die Bestell- und Lieferprozesse werden erheblich verkürzt. Das wiederum führt dazu, dass der Patient schneller mit Arzeimitteln versorgt werden kann. Und auch die Krankenkassen könnten durch geringeren Aufwand bei der Abrechnung von Rezepten Zeit und Geld sparen: Einsparungen, die sich auf die zu zahlenden Krankenkassenbeiträge auswirken und so zu einer Entlastung der Versicherten führen können.

In der Arztpraxis könnte durch die elektronischen Rezepte viel Zeit eingespart werden, die sonst für das Drucken und Unterschreiben von Rezepten gebraucht wird. In Kombination mit dem Modell der telemedizinischen Sprechstunde via Internet ergeben sich viele Vorteile: Wer beispielsweise online mit seinem Arzt kommuniziert, könnte dank des e-Rezepts auch seine Medikamente online verschrieben bekommen. Die Online-Sprechstunde wäre so ein echter Ersatz für den Besuch beim Arzt. Auf diese Weise könnte in Zukunft die fachärztliche Versorgung besonders auf dem Land verbessert und der Arztbesuch für Berufstätige erleichtert werden.

Aber nicht nur für Patienten und Ärzte, auch für Apotheker kann die Einführung des e-Rezepts vorteilhaft sein. Wenn alle Medikamente, die ein Patient von verschiedenen Ärzten verschrieben bekommt, in der Apotheke bekannt sind, könnten Nebenwirkungen besser überprüft werden. Ebenso können gefährliche Wechselwirkungen von Medikamenten schneller entdeckt werden. Zudem ist eine Reduzierung der Abgabefehler zu erwarten, weil der Verordnungsweg insgesamt weniger fehleranfällig und sicherer werden wird.

Nicht zuletzt wird den Apothekern durch den Wegfall einiger manueller Abläufe mehr Zeit bleiben, die sie für pharmazeutische Tätigkeiten nutzen können.