Verhütung – Mehr als die Pille

Die Pille

Am 1. Juni 1961 begann eine neue Ära: Anovlar, die erste deutsche Antibabypille, kam auf den Markt. Noch heute ist die Pille das Verhütungsmittel Nummer eins in Deutschland. Rund 65 Prozent der verhütenden Frauen nehmen die Antibabypille ein.

Die kleinen Hormontabletten schützen vor einer ungewollten Schwangerschaft, indem sie den Eisprung verhindern. Während das rezeptpflichtige Verhütungsmittel aufgrund der hohen Dosierung einst als „Hormon-Bombe“ bezeichnet wurde, enthalten die modernen Präparate die empfängnisverhütenden Hormone nur in niedrigsten Dosierungen.

Erhältlich sind zahlreiche Präparate in unterschiedlichen Dosierungen. Bei der Verordnung der Antibabypille kann der Gynäkologe damit optimal auf die Bedürfnisse der einzelnen Patientin eingehen.

Die Pille wirkt jedoch nicht nur, indem sie den Eisprung verhindert, sondern hat noch zwei weitere Effekte, die einer Schwangerschaft entgegenwirken. Sie sorgt dafür, dass die monatliche Verflüssigung des Schleims im Gebärmutterhals ausbleibt – Samenfäden können gar nicht erst in die Gebärmutter eindringen.

Außerdem kommt es durch die Pille zu Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut, die die Einnistung einer eventuell befruchteten Eizelle erschweren. Durch diese verschiedenen Wirkungen kann die Pille als fast 100prozentig sicher bezeichnet werden.

Zur Messung der Sicherheit von Verhütungsmethoden wird der sogenannte Pearl-Index herangezogen. Je niedriger dieser Index ausfällt, desto sicherer ist die Methode. Die Pille hat beispielsweise einen Pearl-Index von 0,1 bis 3.

Gesunde Frauen können die Pille nach Ansicht von Experten bedenkenlos einnehmen. Bislang verborgene Krankheiten können durch die Einnahme des Verhütungsmittels jedoch verstärkt werden. Verzichten sollten Frauen auf die Pille bei folgenden Gründen:

  • Früher durchgemachte oder bestehende Erkrankungen mit Blutpfropfbildung (Thrombose, Embolie), besonders Schlaganfall und Herzinfarkt.
  • Bestehende hormonempfindliche Tumoren, die auf Östrogene reagieren könnten. Dazu gehört z.B. Brustkrebs (auch nach der Behandlung).
  • Bestehende schwere Leberschäden.
  • Erkrankungen der Hirn- oder Augengefäße.
  • Schwere Formen des Bluthochdrucks.
  • Angeborene oder erworbene Stoffwechselstörungen, z.B. schwere Zuckerkrankheit mit Gefäßveränderungen oder Störungen des Fettstoffwechsels.
  • Raucherinnen nach dem 30. Lebensjahr, insbesondere wenn weitere Risikofaktoren wie Übergewicht oder Bluthochdruck gegeben sind.

Mini-, Mikro- und andere Pillen

Es gibt eine große Zahl von verschiedenen Pillenpräparaten. Grundsätzlich wird zwischen den älteren höher dosierten Pillen und modernen Kombinationspräparaten (Mikropillen) unterschieden.

Zumeist wird eine niedrig dosierte Mikropille verschrieben, weil davon die geringsten Einflüsse auf Fettstoffwechsel, Gerinnungssystem, Blutdruck und Körpergewicht zu erwarten sind.

Kombinationspräparate enthalten eine Kombination aus den Hormonen Östrogen und Gestagen. In immer gleicher Dosierung wird die Pille an 21 oder 22 Tagen im Monat genommen.

Zu den Mikropillen gehören auch die Zwei- und Drei-Stufen-Pillen. Die Besonderheit bei diesen Präparaten ist, dass sie Östrogen und Gestagen in zwei bzw. drei verschiedenen Dosierungen enthalten.

Die Minipille hingegen enthält nur Gestagen und verhindert den Eisprung nicht. Wegen des geringen Hormonanteils muss diese Pille immer zur gleichen Zeit eingenommen werden – eine Pillenpause wird nicht eingelegt. Ohne die disziplinierte Einnahme ist die Sicherheit dieser Pille nicht gegeben.

„Grünes Licht“ für die Liebe

Inzwischen haben auch Computer Einzug in die Empfängnisverhütung gehalten. Ihrer Funktionsweise liegt das Prinzip der natürlichen Familienplanung zu Grunde. Anhand der durch Temperatur- oder Hormonmessung erhaltenen Daten errechnet das Gerät, in welcher Zyklusphase sich die Anwenderin befindet.

An den unfruchtbaren Tagen gibt das Gerät dann „grünes Licht“, an den fruchtbaren Tagen sollte mit anderen Mitteln (z.B. Kondom) verhütet werden, wenn eine Schwangerschaft unerwünscht ist. Grundsätzlich eignen sich die Geräte, die einen Pearl-Index von 3 bis 10 haben, eher zur natürlichen Familienplanung als zur Verhütung.

Ebenfalls auf Chemie verzichten natürliche Verhütungsmethoden wie die Temperaturmethode, die Kalendermethode oder die Billingsmethode. All diese Methoden basieren darauf, den Körper genau zu betrachten, um die fruchtbaren Tage herauszufinden.

So weist die Körpertemperatur einer Frau während des Zyklus typische Schwankungen auf. Von der Regelblutung bis zum Eisprung ist die Temperatur niedrig. Ein bis zwei Tage nach dem Eisprung steigt sie dann um 0,3 bis 0,5 °C an. Bis kurz vor der Blutung bleibt die Temperatur erhöht.