Natürliche Familienplanung

Zervixschleim-Methode (Billings-Methode)

Von dem Ärzteehepaar Evelyn und John Billings wurde Anfang der 50er-Jahre die Beobachtung des Schleims im Gebärmutterhals (Zervix) als Indikator für die fruchtbaren Tage vorgeschlagen.

Zur Anwendung der Billings-Methode muss die Frau täglich die Beschaffenheit des Schleims testen. Der Zervixschleim verändert sich im Laufe des Zyklus. So steigt die Schleimproduktion an, der Schleim wird dicker und klarer.

Wenn man etwas davon zwischen Daumen und Zeigefinger nimmt und die Finger dann auseinander bewegt, ziehen sich ca. 10 cm lange Fäden ("der Schleim ist spinnbar"). Diese Phase wird als "Schleimhöhepunkt" bezeichnet. Die Frau ist jetzt sehr fruchtbar. Der Eisprung findet in einem Zeitraum von drei Tagen vor und drei Tagen nach dem Schleimhöhepunkt statt.

Die Methode ist ziemlich unsicher, weil zahlreiche Faktoren (Entzündungen, sexuelle Erregung, Sperma, spermizide Gels oder auch schleimlösende Erkältungsmittel) die Beschaffenheit des Zervixschleims verändern können. Der Pearl-Index liegt etwa zwischen 15 und 25. In Kombination mit der Temperaturmethode (siehe nächstes Kapitel) steigt die Sicherheit jedoch erheblich.

Kombi-Methoden und Computer

Bei der sympto-thermalen Methode werden sowohl die Temperatur (thermal) als auch die Beschaffenheit des Zervixschleims (sympto) täglich kontrolliert und in ein Diagramm eingetragen.

Als zusätzliches Zeichen kann die Frau auch tasten, wie sich ihr Gebärmuttermund anfühlt. An den Tagen um den Eisprung herum öffnet sich der Gebärmuttermund und wird weich, während er an den übrigen Tagen fest und geschlossen ist.

Die sympto-thermale Methode wird nach ihrem Erfinder auch Roetzer-Methode genannt. Sie hat einen Pearl-Index von 2 bis 3, einige Quellen nennen auch einen Pearl-Index unter 1.

In der Apotheke sind zahlreiche Computer zur Unterstützung der Familienplanung erhältlich. Einige davon unterstützen die Temperaturmessung und -beobachtung, manche erleichtern die Beobachtung des Zervixschleims. Solche Geräte können die Roetzer-Methode unterstützen und sicherer machen.

Daneben gibt es Teststreifen und entsprechende Analysegeräte, mit denen die Konzentration des sogenannten lutenisierenden Hormons im Urin bestimmt werden kann. Einige messen auch die Menge zweier Hormone (lutenisierendes Hormon und Östron 3 Glucuronid).

Durch computergestützte Messung der Temperatur lässt sich ein Pearl-Index von ca. 1 - 5 erreichen, die Hormonmessung gilt als etwas unsicherer (Pearl-Index: 6). Die Kombination beider Methoden, die einige Geräte bieten, erhöht die Sicherheit.

Methoden, die keine sind

Die Kalendermethode, nach ihren Erfindern auch Knaus-Ogino-Methode genannt, berechnet die fruchtbaren Tage nur anhand der Zykluslänge, ohne auf körperliche Signale Rücksicht zu nehmen. Sie stammt aus den 1930er-Jahren.

Die Frau muss die Länge ihres Zyklus über mehrere Monate festhalten. Von der Tageszahl des kürzesten Zyklus wird 18 abgezogen, von der des längsten Zyklus 11. Die ermittelten Tage sind möglicherweise fruchtbar.

  • Beispiel: Der kürzeste Zyklus beträgt 25 Tage, der längste 33. 25-18=7, 33-11=22. Dann ist die Zeit zwischen dem 7. und dem 22. Tag des Zyklus (gerechnet ab dem 1. Tag der Periode) möglicherweise fruchtbar.

Das Beispiel zeigt, dass ein großer Teil des Zyklus als "riskant" gilt. Da jedoch der Körper einer Frau nicht wie ein Uhrwerk funktioniert, ist die Methode trotz eingerechneter "Sicherheitstage" sehr unsicher: Der Pearl-Index schwankt zwischen 15 und 38.

Ebenso unsicher ist das "Aufpassen", der volkstümliche Begriff für Coitus interruptus bzw. Coitus reservatus. Beim Coitus interruptus (unterbrochener Geschlechtsverkehr) zieht der Mann das Glied vor dem Erguss aus der Scheide und ejakuliert "woanders".

Dies erfordert vom Mann eine hohe Konzentration und lässt sich bei der erwünschten sexuellen Leidenschaft nicht immer durchhalten. Außerdem gibt der Mann bereits vor dem Höhepunkt eine geringe Menge Flüssigkeit ("Liebeströpfchen", "Sehnsuchtströpfchen") ab, die Samen enthält.

Der Coitus reservatus (reservierter Geschlechtsverkehr) besteht darin, dass der Mann den Samenerguss ganz vermeidet. Doch auch hier kann das "Liebeströpfchen" und die Lust beim Verkehr alle Bemühungen zunichtemachen.

Beide "Methoden" sind extrem lust- und liebestötend – und unsicher: Der Pearl-Index liegt bei 25 – 38, einige optimistische Quellen geben einen Pearl-Index von 10 an.