Schädigung des Gehörs

Ob Lärm krank macht, hängt von der Dosis ab. Gemessen wird die Lautstärke in Dezibel (dB). Schon bei häufiger Überschreitung des dB-Wertes von 55 (nachts 45 dB) können Gesundheitsschäden auftreten.

Erste Anzeichen für Hörschäden

Die Belastung hängt jedoch auch von der subjektiven Einstellung ab. So wird Verkehrslärm häufig eher akzeptiert als das sonntägliche Rasenmähen des Nachbarn. Doch auch leise Geräusche können störend sein, wie etwa ein tropfender Wasserhahn, das Ticken des Weckers oder ein brummender Kühlschrank.

Lärm schädigt das Innenohr jedoch unabhängig vom persönlichen Empfinden. Die mikroskopisch kleinen Flimmerhärchen in der Schnecke des Ohrs werden durch die ankommenden Schallwellen regelrecht plattgefegt.

Hält die Lärmbelastung nur kurze Zeit an, reagieren sie mit einer vorübergehenden Taubheit und erholen sich in der anschließenden Ruhephase wieder. Wenn der hohe Geräuschpegel jedoch lange anhält, können sich die Härchen nicht mehr regenerieren, verkleben und sterben schließlich ab.

Das Tückische an Hörschädigungen ist, dass sie meist langsam und unbemerkt verlaufen. Die Auswirkungen treten häufig erst in einer späteren Lebensphase zum Vorschein und sind nicht rückgängig zu machen.

Ein erstes Zeichen für den Gehörverlust ist, wenn man immer weniger mitbekommt, immer häufiger nachfragen muss, was gesagt wurde. Auch wenn der Lautstärkeregler am Fernseher oder Radio immer lauter gestellt werden muss, sollte man aufmerksam werden.

Ein weiteres Alarmsignal ist ein leises Klingeln im Ohr, das nicht mehr aufhört. Der Tinnitus ist eine Art Protest der Hörzellen.

Gehörprobleme bei Kindern

Auch Kinder leiden unter ständigem Lärm. In einer Studie, die im Umfeld des Münchner Flughafens durchgeführt wurde, konnten bei den Kindern Schlafstörungen und Blutdruckerhöhungen sowie eine vermehrte Ausscheidung von Stresshormonen als Folgen des Lärms nachgewiesen werden.

Kinder sind jedoch auch bei Spielen gefährdet. Kinderpistolen, Knackfrösche, Spielzeugtrompeten oder Trillerpfeifen entwickeln extreme Lautstärken, die oftmals gar nicht als so laut empfunden werden.

Knackfrösche und Kinderpistolen geben ähnlich wie explodierende Feuerwerkskörper impulsartige Geräusche ab, die sehr kurz sind und deshalb in ihrer vollen Lautstärke gar nicht erfasst werden.

Einen Teil seiner schädlichen Wirkung entfaltet Lärm dadurch, dass er den Schlaf stört. Dies ist insbesondere in der Nähe von Flughäfen ein wichtiges Argument dafür, nächtliche Start- und Landeverbote aufzustellen.

Selbsthilfe gegen Lärm

Da Lärm also auf Dauer nicht nur das Gehör schädigt, sondern zu den beschriebenen gesundheitlichen Störungen führt, sollte man ihn so weit wie möglich meiden. Dies ist allerdings nicht immer ganz problemlos möglich.

  • Ein Gehörschutz, wie er an lauten Arbeitsplätzen vorgeschrieben ist, sollte nicht aus Bequemlichkeit vernachlässigt werden.
  • Schon bei der Wohnungssuche sollte man auf die Lärmbelastung achten. Im Bedarfsfall können Lärm dämmende Maßnahmen ergriffen werden, z.B. der Einbau neuer Fenster.
  • Das Schlafzimmer sollte möglichst im ruhigsten Raum der Wohnung eingerichtet werden.
  • Bei Lärm von außen nicht mit geöffneten Fenstern schlafen.
  • Unvermeidlichem Lärm kann mit speziellen Ohrstopfen aus der Apotheke begegnet werden.
  • Entspannungsübungen können dabei helfen, den durch Lärm verursachten Stress abzubauen.
  • Musik nicht zu laut hören, auch den Fernseher nicht auf volle Lautstärke einschalten.
  • Werden Sie sich bewusst über den Lärm, den Sie selber verursachen. Verzichten Sie beispielsweise häufiger auf das Auto und steigen Sie auf Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel um.
  • Wenn Nachbarschaftslärm als störend empfunden wird, sollten Sie sich mit den Verursachern gütlich einigen – ohne dass Stress durch einen Streit aufkommt. Das Einhalten von Ruhezeiten kann viel dazu beitragen, dass die Lärmbelastung der Anwohner sinkt.

Grundsätzlich sollte man seinen Ohren gelegentlich eine Auszeit gönnen, z.B. mit einem Waldspaziergang oder einer Wanderung in den Bergen. Die Stille ist nicht nur für das Gehör, sondern auch für Körper und Seele erholsam.