Herpes - die lästigen Lippenbläschen

Das Virus nutzt eine Schwäche aus

Etwa 20 bis 40 Prozent der mit Herpes labialis infizierten Menschen leiden ab dem frühen Jugendalter mehr oder weniger häufig an den Lippenbläschen. Im Mittel beginnen die wiederkehrenden Infektionen mit 17 Jahren, können aber auch schon vor dem 10. Lebensjahr auftreten.

Die meisten der Betroffenen haben zwei bis drei Rezidive (Rückfälle), fünf bis zehn Prozent haben mehr als sechs Rezidive im Jahr. Es gibt aber auch Patienten, die ein Rezidiv pro Monat erdulden müssen. Dabei wird die Infektion auch bei Menschen mit einer gesunden Abwehr reaktiviert, wenn ein geeigneter Stimulus vorhanden ist.

Als auslösende Faktoren kommen eine fiebrige Erkrankung in Betracht (daher auch der Name "Fieberbläschen" für Herpes), psychische Belastungen, aber auch körperliche Überforderung oder stressige Zeiten.

Auch Situationen, in denen ein starkes Ekelgefühl empfunden wurde, oder Zeiten hormoneller Schwankungen, z.B. während der Menstruation oder in der Schwangerschaft, können die Reaktivierung der Herpes-Viren verursachen.

Typischerweise ist eine starke und UV-reiche Sonnenbestrahlung ein sehr potenter Auslöser. Außerdem kann die Behandlung mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, wie zum Beispiel bei Krebs oder nach Organverpflanzungen, die Viren reaktivieren.

Herpes labialis ist eine lästige und psychisch oft stark belastende Erkrankung, die selten und dann nur bei chronisch kranken Menschen lebensgefährlich ist. Jedoch ist beim Umgang mit Neugeborenen große Vorsicht geboten.

Da ihr Organismus noch völlig ungeschützt ist, können sich die Krankheitserreger in allen Organen festsetzen. Das kann für Babys lebensgefährlich werden. Erst mit sechs Monaten haben Säuglinge einen gewissen Schutz gegen Infektionen aufgebaut.

Schwangere werden vorsorglich untersucht, ob sie den Virus in sich tragen. Im Mutterleib kann sich das Kind zwar nicht infizieren, wohl aber bei der Entbindung. Die Babys werden daher bei Verdacht einer Infektion immer per Kaiserschnitt entbunden.

Die Therapie sollte früh beginnen

Bei Jugendlichen und Erwachsenen sollte schon beim ersten Brennen oder Kribbeln die Stelle, an der sich normalerweise die Herpesbläschen bilden, behandelt werden. Betroffene kennen meistens "ihren" Herpes und haben daher eine eigene Bekämpfungsstrategie entwickelt.

Zu den verschiedenen Hausmitteln gehören Zahnpasta und Stärkemehl, die die Bläschen austrocknen sollen. Eiswürfel, Rasierwasser oder Alkohol gehören ebenfalls zu den häufig angewendeten Abwehrmitteln.

Auch ätherische Öle werden in der Volksmedizin eingesetzt. Teebaumöl oder Eukalyptusöl sollen antivirale Effekte aufweisen. Aus der Heilpflanzenkunde ist die Verwendung von Extrakten mit Salbei und Melisse bekannt, da sie die Anheftung der Viren an die Oberfläche der Wirtszellen behindern.

Die angewendeten Mittel sollten immer mit einem Wattestäbchen aufgetragen werden, da das Berühren der Bläschen mit den Fingern als tabu gilt.

Mit Aciclovir und Penciclovir stehen wirksame Medikamente zur Verfügung, die nur in infizierte Zellen aktiv werden, gesunde Zellen dagegen nicht schädigen. Die rasche Behandlung reduziert nachweislich die Symptome und die Gesamtdauer des Lippenherpes.