Essen wie in der Steinzeit?

Empfohlen und nicht empfohlen

Je nachdem, wie stark man sich nach den Paleo-Richtlinien ernähren möchte, sind unterschiedliche Nahrungsmittel empfohlen bzw. erlaubt und andere verboten. Zu dem bereits genannten Verbot von Getreide und Getreideprodukten kommen auch Milch und Milchprodukte.

Sahne, Quark, Milch, Butter, Joghurt, Käse und Co. werden aufgrund der enthaltenen Laktose und Casein als bedenklich eingestuft. Argumentiert wird dabei mit der genetischen Ausstattung des Menschen, die nicht auf Getreide und Milch vorbereitet sei. Dem widersprechen Kritiker und betonen, dass sich dank einer Genmutation die meisten Europäer längst an den täglichen Milchkonsum angepasst haben.

Zu den verbotenen Lebensmitteln zählen auch Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen oder Sojabohnen sowie sehr stärkehaltige Pflanzen wie Kartoffeln, Erdnüsse oder Mais. Kartoffeln sind laut Paleo nur für Menschen empfehlenswert, die körperlich arbeiten. Alternativ können Süßkartoffeln in geringem Maße verzehrt werden.

Da Erdnüsse zu den Hülsenfrüchten zählen, sind sie im Gegensatz zu Wal-, Para- oder Haselnüssen nicht erlaubt. Zudem ist eine Belastung der Erdnüsse mit Aflatoxin, einem als krebserregend verdächtigten Schimmelgift, besonders hoch.

Auch pflanzliche Fette sind bei der Paleo-Ernährung umstritten. Diesem liegt der hohe Anteil an mehrfach ungesättigten Omega-6-Fettsäuren zugrunde, deren Abbauprodukte entzündungsfördernd sind. Stattdessen werden in der Paleo-Kost gesättigte tierische Fette empfohlen. Außerdem sollte man auf eine Balance zwischen Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren achten - also reichlich Fisch verzehren.

Ein wichtiger Aspekt der Paleo-Kost ist auch, auf die Qualität der verzehrten Produkte zu achten: Fleisch von Tieren aus Weidehaltung, Eier von freilaufenden Hühnern, Gemüse, Obst und Kräuter in Bio-Qualität werden angeraten.

Kritik am Paleo-Konzept

Während der Verzicht auf (zu viel) Zucker, Fertigprodukte und Alkohol von den meisten Experten als positiv gesehen wird, gibt es insbesondere am grundlegenden Konstrukt der Steinzeit-Diät viel Kritik.

So wird vor allem bemängelt, dass es keine "typische altsteinzeitliche Ernährung" gegeben habe. Je nachdem, was Umwelt und Jagdglück gerade zu bieten hatte, war die Kost äußerst unterschiedlich. Daher mussten unsere Vorfahren als Jäger und Sammler vor allem anpassungsfähig sein.

Fraglich ist auch, ob es sinnvoll ist, vollständig auf Getreide und Milchprodukte zu verzichten. Ernähren sich doch beispielsweise die ostafrikanischen Massai zu 60 bis 90 Prozent von Zeburindmilch, ohne damit erhöhte Krebsrisiken oder Lebensmittelallergien aufzuweisen. Allein ein seltenes Auftreten von Karies ist positiv zu bemerken.

Kritik wird auch an der erhöhten Aufnahme von Eiweiß laut. Empfohlen werden von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht - für einen Menschen, der 70 Kilogramm auf die Waage bringt, sind dies 56 Gramm Eiweiß täglich.

Mit der Paleo-Kost wird der Trend, deutlich mehr Eiweiß als empfohlen zu verzehren, noch weiter unterstützt. Durchschnittlich sind es bereits ohne Paleo etwa 100 Gramm täglich, die verzehrt werden, richtet man sich vollständig nach den Vorgaben der Steinzeit-Kost, kommt man auf etwa 130 Gramm pro Tag.

Die Abbauprodukte von Eiweiß begünstigen jedoch die Entstehung von Arteriosklerose, der gefürchteten Adernverkalkung. Wer zu viel Eiweiß verzehrt, riskiert, seinen Körper mit Harnstoff, Harnsäure und Schwefel zu überlasten. Dies gilt vor allem dann, wenn zu wenig getrunken wird.