Diabetes und Reisen

Menschen mit Diabetes brauchen keine Spezialreisen. Mit der entsprechenden Vorbereitung sowie etwas Übung und Erfahrung kann die ganze Welt bereist werden. Auch für die Art des Urlaubs gibt es keine Einschränkungen.

Quelle: freepikWird die Urlaubsreise mit dem Auto angetreten, verbringt man oft lange Stunden sitzend und unbeweglich. Wer Insulin spritzt, sollte an die Vermeidung von Hypoglykämien, also zu niedrigen Blutzuckerspiegeln, denken.

Wichtig ist:

  • Am Reisetag die gewohnte Insulinmenge zur üblichen Zeit spritzen. Die Mahlzeiten sollten ebenfalls zur gewohnten Zeit in der üblichen Menge eingenommen werden.
  • Vor Antritt der Fahrt den Blutzucker bestimmen. Wird dabei eine Unter- oder Überzuckerung festgestellt, den Start so lange verschieben, bis der Zuckerspiegel im Normalbereich liegt.
  • Unterwegs sollte immer Traubenzucker griffbereit sein.
  • Gibt es einen Verdacht auf Unterzucker, die Fahrt unterbrechen - auch wenn der Betroffene Beifahrer ist.
  • An genügend Proviant für die Fahrt denken. Staus sind nicht immer zu vermeiden - und können sich gegebenenfalls lange hinziehen.
  • Spätestens alle zwei Stunden eine Pause einlegen - zum bewegen und den Blutzucker bestimmen.

Tipps für Flugreisen

Insbesondere lange Flugreisen bedeuten eine ungewohnte Belastung, da zum langen, beengten Sitzen häufig noch die Verlängerung oder Verkürzung von Tag und Nacht dazu kommt. So drohen u.a. Thrombosen, da man sich viel zu wenig bewegt.

Grundsätzlich sollte man sich nicht durch das oft kalorienreiche Essen an Bord verführen lassen, mehr als üblich zu verzehren. Bei den Getränken, insbesondere beim Mineralwasser, sollte man hingegen häufig zugreifen. Die Devise lautet, viel zu trinken, möglichst jedoch keinen Alkohol.

Durch die mögliche Zeitverschiebung kann es bei Fernreisen zu einer Beeinträchtigung von Einnahme- bzw. Spritz-Rhythmus kommen. Es gilt der grundsätzliche Ratschlag, sich an die Ortszeit des Urlaubsziels anzupassen.

Typ-2-Diabetiker, die orale Antidiabetika nehmen, können ihre gewohnte Dosis nach der jeweiligen Ortszeit nehmen. Bei einem längeren Flug gen Westen kommt es zu einer Verlängerung des Tages, die Einnahme wird also hinausgezögert. Bei Flügen Richtung Osten ist der Tag und damit auch die Tabletteneinnahme verkürzt.

Es ist sinnvoll, den Blutzuckerspiegel durch eine entsprechend leicht verringerte oder erhöhte Nahrungsaufnahme normal zu halten. Zur Sicherheit sollte man den Blutzucker bestimmen.

Wer Insulin spritzt, sollte seine individuelle Anpassung der Therapie möglichst mit dem behandelnden Arzt besprechen. Eine Faustregel sagt aus: Verlängert sich der Tag beträchtlich, wird mehr Insulin gebraucht, eventuell sogar eine zusätzliche Injektion. Umgekehrt verringert sich die Dosis, wenn sich durch die Flugrichtung der Reisetag stark verkürzt.

Wegen der Sicherheitsbestimmungen auf Flugreisen sind ebenfalls einige Vorbereitungen nötig. Insbesondere bei Reisen in die USA sollten Diabetiker auf die Bestimmungen achten.

Mangelnde Sprachkenntnisse machen eine Verständigung oft schwer. Deshalb ist es ratsam, sich vor Reiseantritt ein mehrsprachiges Attest des behandelnden Arztes ausstellen zu lassen. Darin sollte bescheinigt sein, dass man Insulin spritzen sowie Blutzucker messen muss und deshalb das entsprechende Zubehör braucht. Diabetiker sollten auf Reisen zurückhaltend mit Spritzen und Messen in der Öffentlichkeit sein. Es ist nicht überall üblich und könnte falsch verstanden werden.

Messungen unter extremen Bedingungen

Für die Blutzuckerbestimmung mit Hilfe von Teststreifen gibt es, da es sich hierbei um eine chemische Reaktion handelt, optimale Bedingungen, die das korrekte Ergebnis liefern. Der Temperaturbereich liegt zwischen 15 und 35 °C. Bei höheren oder niedrigeren Temperaturen, wie sie an einigen Urlaubszielen durchaus auftreten, sind gewisse Vorsichtsmaßnahmen nötig, um trotzdem einen korrekten Wert zu erhalten.

  • Sind die Temperaturen deutlich kälter, sollten Messgerät und Teststreifen möglichst dicht am Körper getragen werden, um sie durch die Körpertemperatur zu wärmen. Falls die Messung im Freien durchgeführt werden muss, sollte dies möglichst schnell und im Windschatten geschehen.
  • Herrscht am Urlaubsort eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit, können die Teststreifen in Mitleidenschaft gezogen werden. Daher sollte die Packung nur ganz kurz geöffnet werden.
  • Bergtouren haben hingegen kaum einen Einfluss auf das Messergebnis, da der abnehmende Luftdruck das Blutzuckermessgerät normalerweise nicht beeinträchtigt.

Allerdings ist beim Aufenthalt in heißem Klima darauf zu achten, dass die Insulinwirkung schneller eintreten kann. Außerdem sollte das Insulin nicht direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt oder im erwärmten Auto zurückgelassen werden.

Reserve-Insulin kann beispielsweise in einer kalt ausgespülten Thermoskanne mitgeführt werden. Die Insulinpatronen werden dabei in einen feuchten Lappen eingeschlagen und in eine Plastiktüte gesteckt. Alternativ kann man auch eine kleine Styroporbox verwenden - beide Aufbewahrungen eignen sich auch bei möglichem Frost, z.B. beim Wintersport.

Allgemeine Reisetipps

Bereits beim Kofferpacken sollte man auf seine notwendige Ausrüstung achten. So sollte die Reiseapotheke insbesondere bei Diabetikern immer im Handgepäck sein. Nicht selten trifft bei Flugreisen ein aufgegebenes Gepäckstück erst verspätet ein.

Hilfreich kann es auch sein, sich vorab über Adressen von deutschsprachigen Ärzten am Urlaubsort zu informieren. Nicht vergessen sollte man einen mehrsprachigen Diabetikerausweis.

Natürlich sollten auch ausreichend Insulin, Pens, Tabletten und Teststreifen mitgenommen werden. Traubenzucker oder eine Glukosespritze können im Fall einer Unterzuckerung lebensrettend sein.

Wichtig ist ebenfalls, auf kleine Verletzungen zu achten, besonders der Füße. Schon Blasen und kleine Risse können sich bei Diabetikern schnell entzünden und das so genannte diabetische Fußsyndrom auslösen.

Schon vor Reisebeginn sollten sich Diabetiker über die landestypischen Nahrungsmittel informieren. Der Kohlenhydratgehalt von Mahlzeiten lässt sich oftmals aus bekannten Produkten ableiten. So hat Bulgur beispielsweise den gleichen Kohlenhydratgehalt wie Weizen.