Gibt es noch jemand ohne Allergie?

In Deutschland leben immer mehr Allergiker, noch vor einem halben Jahrhundert war das ganz anders. Schuld daran könnte zu viel Hygiene sein – Kinder sollten unbeschwert im Freien spielen können, um ihr Immunsystem gegen Allergien zu wappnen.

Ein Frühjahrs-Picknick im Park kann allerlei Misslichkeiten mit sich bringen: Papa sucht im Korb nach einem Taschentuch für seine Schniefnase – wegen der Pollen. Mama streichelt den Nachbarshund und reibt sich die Augen – aufgrund der Tierhaare. Der kleine Sohn darf auf keinen Fall Papas Schokoriegel zu fassen bekommen – er hat eine Erdnuss-Allergie. Nur die Tochter atmet auf: sie ist weit weg von den Hausstaubmilben, gegen die sie allergisch ist.

Allergien breiten sich seit einigen Jahrzehnten stetig aus. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Heuschnupfen noch eine Seltenheit. Heute leidet ungefähr jeder Fünfte in Deutschland unter einer Pollenallergie.

Zu viel Hygiene fördert Allergien
Es gibt verschiedene Theorien, warum das der Fall ist. Die „Hygiene-Hypothese“ besagt, dass wir als Kinder heute zu wenig mit Keimen und möglichen Allergieauslösern in Berührung kommen. So kann das Immunsystem keine Erfahrungen zum Beispiel mit Pollen und Tierhaaren sammeln und reagiert später falsch auf sie. Studien haben tatsächlich gezeigt, dass Kinder, die auf dem Bauernhof aufwachsen, seltener Allergien haben.

Aggressivere Pollen durch Abgase und Klimawandel
Das Leben in der Großstadt hat einen zusätzlichen Nachteil: Abgase machen die Pollen dort aggressiver, sodass es wahrscheinlicher wird, dass sie Allergien auslösen. Außerdem breiten sich Pflanzen aufgrund des Klimawandels in Gebiete aus, die ihnen vorher zu kalt waren. In Europa wandert derzeit ein eifriger Allergieauslöser Richtung Norden, das auch „Ambrosia“ genannte Beifußblättrige Traubenkraut.

Kinder vor Allergien wappnen
Es lässt sich nicht zuverlässig gegen Allergien vorbeugen – allerdings können Eltern dafür sorgen, dass ihre Kinder von klein auf mit einem gesunden Immunsystem aufwachsen. Das beginnt schon mit der Muttermilch, die Studien zufolge das Allergierisiko senkt. Mütter sollten Säuglinge deshalb, wenn möglich, vier Monate lang ausschließlich stillen.

Frische Luft ist ebenso förderlich. Lüften Sie regelmäßig das Kinderzimmer, um Schimmelpilzen und hoher Luftfeuchtigkeit vorzubeugen. Beides fördert die Entstehung von Allergien, ebenso Zigarettenrauch. Diesem sollten Kinder – auch schon während der Schwangerschaft – niemals ausgesetzt sein. Lassen Sie auch Stadtkinder öfter mit der Natur in Berührung kommen, beim Urlaub auf dem Bauernhof oder beim Spielen im Park. Die Sprösslinge sollten sich hier austoben können, mit Tieren spielen und durch Wiesen rennen. So kann der Körper sich an Pollen und Tierhaare gewöhnen